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Rugby-Nationalteam im Streik

Erstellt am: 21.11.17

Die deutsche 15er-Rugby-Nationalmannschaft steht nach dem Sieg gegen Brasilien und dem guten Auftritt bei der Niederlage gegen die USA so hoch wie fast noch nie in der Weltrangliste. Und doch gibt es vor dem dritten November-Test gegen Chile am Samstag Streit hinter den Kulissen. Soeben erreichte uns eine Pressemitteilung, die die Spieler und Trainer der deutschen Rugby 15er-Nationalmannschaft herausgegeben haben. Und mit der sie ihre Teilnahme an diesem Spiel abgesagt haben. Was sind die Hintergründe und fällt das Spiel jetzt aus? Malte Asmus und unser Rugby-Kommentator Andreas Thies haben die Infos.

Update: Stellungnahme der Wild Rugby Academy

 

Die Pressemitteilung der Spieler und Trainer der deutschen Rugby 15er-Nationalmannschaft

Kritik am Verband – und ein Zeichen für die Öffentlichkeit

Heidelberg, 21. November 2017 — Stellvertretend für die Spieler der deutschen Nationalmannschaft im 15er-Rugby erneuern deren Kapitäne Sean Armstrong und Michael Poppmeier ihre bereits nach dem Spiel gegen die USA geäußerte Kritik am Deutschen Rugby Verband. Sie fordern professionelle Strukturen.

„Die Kommunikation zwischen Verband und Spielern sowie Trainern hat sich in den letzten Wochen – entgegen der Erwartungshaltung der Mannschaft – nicht verbessert“, fassen die
Kapitäne der deutschen Rugby-Nationalmannschaft, Sean Armstrong und Michael Poppmeier die derzeitige Situation zusammen. „Es gab in der Vergangenheit und es gibt auch aktuell kaum Kommunikation zwischen dem Verband und uns. Die Spieler mussten aktiv Kontakt zum DRV aufnehmen und die für sie wichtigen Information erfragen. Zudem fehlen den Spielern eine Vision des Verbands und eine kurzfristige Perspektive – beispielsweise, wie es nach den Test-Länderspielen im November weitergehen soll.“

Aus Sicht der Spieler ist eine weitere sportliche Entwicklung in Deutschland ohne die Professionalisierung des Sportkonzepts und der Verbandsstrukturen nicht möglich. Das hohe Leistungsniveau der Nationalspieler ist nur durch tägliches professionell angeleitetes Training erreichbar und haltbar. Ein Amateur, der einer Vollzeitarbeit nachgehen muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, kann dieses nicht leisten. Anders ist die Situation bei den 7er-Nationalspielern, die von der Sportförderung des Bundesministeriums des Inneren (BMI) profitieren und von ihrem Arbeitgeber weitestgehend freigestellt werden.

Außerdem erhalten viele 7er Nationalspieler eine umfangreiche Unterstützung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Nur so sind sie in der Lage, sich dem Leistungssport widmen zu
können. Den Spielern stellt sich die Frage, wie der Verband den deutschen Nationalspielern im 15erRugby– ohne die Förderung von Dr. Hans-Peter Wild – zukünftig professionelle
Rahmenbedingungen schaffen will. Das Trainerteam, das die Sorgen der Spieler teilt, stellt zusätzlich fest, dass die langfristige Entwicklung und Nachwuchsarbeit des Rugby-Sports in akuter Gefahr ist. Der am Deutschen Rugby-Tag in Hannover vom Verband kommunizierte „Plan B“ war offensichtlich nicht sehr ausgereift: So wurden die Trainer erst kurzfristig vor den November-Testspielen rekrutiert. Unbekannt ist beispielsweise auch, wie die sportliche Entwicklung des 15er-Programms künftig fortgeführt und finanziert werden soll, damit das Ziel erreicht wird, in die Weltelite aufzusteigen.

Alle Beteiligten sind stolz, Deutschland als DRV-Nationalmannschaft zu repräsentieren. Aber sie sehen sich angesichts der aktuellen Bedingungen gezwungen, die Situation aus ihrer Sicht darzustellen. Durch ihre offene Kommunikation wollen sie anregen, dass professionelle Strukturen geschaffen werden. Um ein Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen, werden sie am nächsten Samstag beim Spiel gegen Chile dem Verband nicht zur Verfügung stehen.

„Wir fordern, dass sich der Verband nachhaltig ändert und bis Samstag erste richtungsweisende Ӓnderungen vollzieht. Die Verantwortlichen müssen für die Zukunftssicherung der 15er Nationalmannschaft auf dem aktuell hohen Niveau entsprechende Maβnahmen vorlegen oder Ӓnderungen im Vorstand vollziehen, damit diese Programme geschaffen werden“, fordern die Kapitäne. Und sie ergänzen: “Dieser Schritt erfolgt zum jetzigen Zeitpunkt, weil wir die sportlichen Ziele nicht gefährden wollen. In den nächsten Spielen im Februar und März 2018 geht es um die EM- und WM-Qualifikation. Dort wollen wir uns mit gesammelten Kräften beweisen.“

5 Kommentare

  1. Klaus Doering

    21. November 2017 um 17:35

    I ch finde es nicht fair vom DRV das es soviel Ungereimtheiten gibt.
    Habe meine Karte und Bahnfahrt gebucht nachdem der Spielort feststand.
    Ich hoffe das es trotzdem ein gutes Spiel zu sehen gibt.

  2. A.Sander

    21. November 2017 um 19:03

    Sollten die im Statement genannten Details nur zu 50% der Wahrheit entsprechen, kann ich nur sagen: Verband schäme Dich; Pfui! Kurzfristig kann wohl nur helfen, gleiches Recht, gleiches Geld, gleiche Unterstützung für die 15er Nationalspieler wie für die 7er! Mittelfristig sind dringend Gespräche fällig, langfristig müsste wohl dringend ein Reinigungsprozess beim DTV stattfinden.

  3. sportgehtimmer

    21. November 2017 um 23:03

    Die Details im Statement scheinen zustimmen. Das ist alles schon vorher so nachdem Rugbytag zu hören gewesen. Und das WRA und DRV getrennte Wege gehen war ja auch der Wunsch vom DRV. Daher kümmert sich der DRM jetzt um die Vermarktung. Capri Sonne ist ja auch komplett von allen Sponsortafeln verschwunden.
    Der DRV will scheinbar nur Amateur Sport. 🙁 Eine Vision fehlt leider komplett. Auch für Fans wie uns wäre es schön eine Vision zu haben. Auch für die Liga. Denn Liga und Nationalmannschaft gehören zusammen.

  4. Ole Zimmer

    22. November 2017 um 7:37

    Wem nutzt es?
    Unser kleiner Verband ist traditionell unprofessionell. Das ist ärgerlich und auf lange Sicht keine Lösung. Aber: Dieser Streik ist eine Schande und nichts weiter als ein Erpressungsversuch. Bei allen berechtigten Anliegen der Mannschaft – hier versuchen die Angestellten der Wild Titans, die Forderungen ihres Arbeitgebers durchzusetzen. Das ist schäbig.

    Die Kommunikation mit einem sicher an vielen Stellen unprofessionellen Verband ist zäh und frustrierend und für professionell arbeitende Sportler schwierig. Dieser angedrohte Streik jedoch ist für das Anliegen der Mannschaft, für den Verband und für den deutschen Rugbysport insgesamt kontraproduktiv.

    Es wird immer so getan, als ginge es Dr. Wild ausschließlich um die Zukunft des deutschen Rugby. Er ist aber vor allem Geschäftsmann. Das bedeutet, er möchte für sein Investment etwas zurück. In diesem Falle geht es unter anderem um die Vermarktungsrechte an der deutschen Rugby-Nationalmannschaft. Das ist erst einmal nicht verwerflich – so funktioniert die Wirtschaft. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, die Nationalmannschaft werde für die Agenda von Dr. Wild eingespannt, hat das ein übles Geschmäckle.

    Unbestritten ist, dass Dr. Wild in den vergangenen Jahren enorme Summen in den Sport investiert hat. Allerdings nach seinen Regeln und zu seinen Bedingungen. Das Ergebnis ist zum einen ein Ungleichgeweicht in der Bundesliga, das unserem Sport nicht gut tut und die Liga langweilig macht. Zum anderen sehen wir, dank der Wild Academy und der Wild Titans, rund um die Nationalmannschaft für einige wenige Spieler professionelle Strukturen. Das hat den Sport insgesamt allerdings nicht vorangebracht; in der Spitze fehlt die Breite, und das auch auf lange Sicht.

    Ich hoffe, die Spieler und Trainer besinnen sich auf die sportlichen Aufgaben und stellen sich den kommenden Aufgaben, auch im Interesse der Fans und Zuschauer.
    Möge der Verband ein Ohr für die Fragen und Anliegen ihrer Top-Athleten haben und als Partner agieren.
    Und vielleicht stellt sich Dr. Wild zur Wahl als DRV-Präsident, macht öffentlich, was er vorhat und sucht sich für seine Pläne Mehrheiten, Übernimmt echte Verantwortung. Das Motto „Wer zahlt schafft an“ funktioniert in einem demokratisch verfassten Verband auf Dauer nicht.

  5. R.Höpfner

    24. November 2017 um 12:21

    Ich finde das eine sehr gute idee.
    Das könnte sich andere Sportarten als Beispiel nehmen.

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